Reisebericht Fernwanderung

 

Reisebericht Fernwanderung in Österreich von Ost nach West

Teil 9 (Woche 2)

 

Dann kommen wir auf eine Forststrasse, die einen Bach entlang führt. Immer wieder kommen wir in die Berge hinein. Es ist trüb und die Wolken ziehen. Auf den Gipfeln, die hin und wieder sichtbar sind, hat der Winter einen Gruß hinterlassen und sind deshalb ein wenig angezuckert. Bald erreichen wir eine Abzweigung und müssen einen Bach queren. Die gelben Tafeln, die der Alpenverein an Wegkreuzungen und Abzweigungen aufstellen hat lassen, helfen bei der Orientierung gewaltig. Ab und zu fährt ein schwer beladener Holztransporter an uns vorbei. Noch immer werden die durch den Sturm Kyrill umgeworfenen Bäume aufgearbeitet und abtransportiert. Weithin hören wir das donnern der schwer beladenen Fahrzeuge. Bei einem Holzhaus setzen wir uns auf eine Bank und machen endlich nach 4 Stunden flotten Gehens eine Rast- und Jausen Pause. Mit tun heute schon die Beine von den vielen Straßenkilometern weh. Nach einer kurzen Rast, einigen Müsliriegel und mehrere Schluck Tee geht unserer Wanderung weiter.

Wir marschieren weiter, blicken in die Richtung eines lauten Lastwagen Geräusches, und versäumen in diesem Moment eine Abzweigung. Als wir keine Markierung mehr finden, kommt uns das ganze spanisch vor und beginne die Karte zu studieren. Auch das JPS sagt uns, dass wir eine Abzweigung versäumt haben. Nun gut, es passiert uns selten, dass wir solche Fehler machen. So haben wir ein paar hundert Meter Umweg gemacht. Wir gehen zurück und finden die Abzweigung. Alles ist wieder in Ordnung. Wir versuchen nun ein wenig Tempo zu machen. Der Regen ist stärker geworden, und der Weg führt uns durch den Wald. Bald wird er steiler und schmaler, dann führt er in mehrere Serpentinen einen Hang hinauf. Wir queren einen Graben auf einer wackeligen Brücke, und kommen immer höher hinauf. Dieser Weg ist gemütlich angelegt. Doch was ist das, über unseren Weg liegen einige Baumstämme.

 

Wir klettern zunächst über einige glitschig nasse Stämme und bemerken bald, dass wir in einen großen Windwurf geraten waren. Kyrill, unser Sturm lässt grüßen und hier sind ihm eine Menge Bäume zum Opfer gefallen. Sie liegen in dieser Scharte kreuz und quer herum. Ich versuche mich zu orientieren, aber Weg ist hier keiner erkennbar. Wir klettern über die Stämme, balancieren auf ihnen herum. Mit unseren schweren Rucksäcken am Rücken ist dieses Unterfangen aber sehr gefährlich. Teilweise rutschen wir am Hosenboden über dieses Nasse Holz. Dazu behindert uns noch der Regenschutz. Zum Glück regnet es nicht mehr sehr stark, es ziehen Nebelfetzen umher und vermitteln ein gespenstisches Bild. Doch wie solle s weitergehen, und ich suche fieberhaft nach einer Lösung. Von einem Baumstamm aus sehe ich die große Ausdehnung der liegenden, wie geknickte Streichhölzer wirkenden Bäume. Seitlich ist das Gelände zwar ziemlich steil, aber nach Querung einiger Hindernisse können wir unseren Weg fortsetzen. Nur nicht ausrutschen, Hilfe wäre hier kaum zu organisieren. Wer soll uns da finden…im Nebel, Regen und der hereinbrechenden Dämmerung. Nur nicht den Mut verlieren und bald stehen wir am Rand dieses Windbruches. Hier können wir uns ein Bild von seiner kompletten Ausdehnung machen. Beeindruckens und zugleich furchterregend. Wie muss der Sturm getobt haben, um eine so große Waldfläche umlegen zu können. Es ist steil, Erich geht hinter mir und es ist immer noch verdammt rutschig. Dann endlich sehen wir ein Steinmanderl und wissen, dass wir wieder am richtigen Weg sind. Hier wurde der Windschaden bereits aufgearbeitet. Wie die Stämme von hier abtransportiert wurden, kann ich mir gar nicht vorstellen.

 

Fern Wandern Österreich

Fern Wandern Österreich

Am Herrensitz ist ein Bankerl, und machen hier auch einige Fotos. Auch unseren Kampf durch den Windbruch haben wir in Bildern festgehalten.

In Serpentinen geht es nun steil hinunter. Hinaus aus dem Nebel. Wir verlassen uns auf unsere Stöcke, denn der Weg ist noch immer nass und rutschig. Bald erreichen wir das Almtalerhaus, das wegen der Jagdsaison bereits geschlossen hat. Leider, oder zum Glück keine Möglichkeit zur Einkehr. Wir sind nass und schmutzig, zum Glück trocknen diese Wanderhosen sehr schnell. Jetzt aber weiter, bevor die Lebensgeister schwinden und die Lust aufs Gehen erlahmt. Wir wollen unser Tagesziel, den Jagersimmerl in der Habernau so bald als möglich erreich. Aber noch trennen uns 6 km von unserem Ziel. Wir gehen wieder auf einer Forststrasse leicht bergab und diese zieht sich 1,5 Stunden dahin. Hin und wieder fährt ein Holzauto schwer beladen an uns vorbei. Niemand fragt uns, ob wir mitfahren wollen. Wir flüchten jedes Mal ins Unterholz, damit uns nichts passiert. Endlich, es wird dämmrig, taucht das Gasthaus auf. Ich kann es kaum glauben, wir haben es geschafft.

Endlich kommen wir aus den nassen Schuhen. Schnell unter die Dusche, aufwärmen das ist nun wichtig und der erste Wasserstrahl entspannt den Körper. Der Heizkörper im Zimmer wird auf höchste Stufe gestellt, und das nasse Gewand darauf getrocknet. Während Erich im Zimmer bleibt und sich dort entspannt, vergönne ich mir ein Bier in der Gaststube. Ein Bier und einen halben Liter Wasser brauch ich jetzt dringend, damit ich wieder halbwegs auf die Beine komme. Damit die Lebensgeister erwachen und ich mich wieder halbwegs fit fühle. Bei diesem schlechten Wetter sind nur wenige Gäste in der Stube.

Warme Küche gibt es erst ab 18 Uhr. So sitze ich da und denke an den anstrengenden Tag. Im großen Windwurf haben wir mit viel Glück einen Weg gefunden, denn sonst hätte wir umkehren müssen und hätte wahrscheinlich unser Tagesziel nicht erreicht.

Erich kommt zum Abendessen. Ich bestelle mir ein Zuchiniragout mit einer großen Portion Kartoffel, damit ich auch richtig satt werde. Glücklich sitzen wir beieinander und freuen uns, dass wir unsere bisher schwerste Wanderetappe gut gemeistert haben. Weil wir beide sehr müde sind, liegen wir um 20 Uhr im Bett und ich schlafe kurz darauf auch ein.



Freitag, 5.10.2007

Nach einer traumlosen Nacht erwachen wir am Morgen gut ausgeschlafen. Die Schuhe und Socken sind zum Glück über Nacht trocken geworden. Um 7 Uhr gehen wir zum Frühstück und es erwartet uns hier ein reichhaltiges Buffet. Schinken, Käse, Semmel, Butter, Marmelade und ein Müsli mit Joghurt sind schön aufgebaut. Natürlich freuen wir uns über den Orangensaft. Gut gestärkt schultern wir um 8 Uhr den Rucksack. Vor dem Gasthaus wird vom Seniorchef des Jagersimmerls ein Foto gemacht. Nun starten wir in die letzte Etappe. Wir werden nicht über den Almsee und den Offensee gehen, sondern nehmen die Abkürzung über das Grünangerl. Das geht zwar über die Berge, ist aber wesentlich kürzer. Der Wetterbericht ist schlecht und wir erwarten Regen. Jetzt ziehen die Nebel über die Bäume und durch die Wiesen. Wir marschieren über eine Forststrasse und hin und wieder gewinnen wir in Serpentinen auf schmalen Pfaden rasch an Höhe. Irgendwann beginnt es dann zu regnen, aber es ist uns bald gleichgültig. Von unserem Regenschutz rinnt es direkt in unsere Schuhe. Ich kann von Glück reden, dass ich noch keine Blasen an den Füßen habe. Momentan falle die Regentropfen auf mein Gesicht, rinnen über meine Brille und den Hals hinunter. Kalt kann uns nicht werden, denn es ist anstrengend und ich schwitze unter meiner Kleidung. Nach einigen schönen und gespenstischen Nebelausblicken erreichen wir unseren höchsten Punkt das Grünangerl auf 1030 Meter . Auch hier sind einige Bäume umgestürzt. Der Wirt vom Jagersimmerl hat uns vor dem längeren Weg gewarnt, der durch umgestürzte Bäume teilweise blockiert sein soll. Es gibt da auch eine Forststrasse die hinunter ins Rindbachtal und zum Ziel nach Ebensee führt.

Fern Wandern Österreich

Im Wald war es düster. Wir sind im Regen und Nebel dahingewandert. Immer konzentriert, denn die Wurzeln sind nass und rutschig, wobei ein Sturz gefährliche Folgen haben kann. Doch nun verlasen wir diese Stimmung, die sich aber sehr eindringlich in das Gedächtnis brennt. An sonnige Tage erinnere ich mich nicht so lange, wie an diese Regen und Nebeltage, die das Innere aufwühlen. Dabei macht die Einsamkeit des großen Waldes, der Berge immer ein wenig Angst, denn dann sind wir sicher alleine unterwegs und niemand kann helfen.

Auf der Forststrasse geht es oben zunächst lange eben dahin. Immer wieder haben wir Ausblick auf das Rindbachtal, in dem Nebelfetzen dahin ziehen. Es regnet noch immer. Erich ist auf der Suche nach einem geeigneten Rastplatz für eine Jause, aber ich habe keine Lust im Regen, nass wie ich bin da irgendwas zu essen.

Bald begleiten wir den Bach, der neben uns über Felsen und großen Steinen drüberrauscht. Wir haben es fast geschafft. Wir kommen zur Abzweigung, wo man zu den wunderschönen Tropfsteinhöhlen, den Gasslhöhlen gehen kann. Mit einer Gruppe von Familien und Kindern haben ich diese Höhle besucht. Die Kinder waren sehr begeistert. Eine Führung durch die Höhlen sind einfach ein empfehlenswertes Erlebnis. Ich bin in meinem Ort ein ÖAV Tourenführer, der Familienwanderungen organisiert.

Wir gehen nebeneinander auf der Forststrasse dahin, Platz haben wir hier genug. Wir plaudern über die Erlebnisse aus der Berufswelt. Erich und ich haben in den vielen Jahren über Gott und die Welt geplaudert und Meinungen, Erfahrungen ausgetauscht. Wenn wir zu Fuß durch Österreich wandern, dann ergibt sich eine intensive, stunden- und tagelange Auseinandersetzungen mit der Einzigartigkeit der Natur…eines jeden Weges. Bis hin zur asphaltierten Strasse sind wir unterwegs. Wie schön ist es doch, vor einem großen, bunten Baum mit Herbstlaub zu stehen. Oder stundenlang durch den Buchenwald zu wandern, dessen Laub die Schritte dämpft. Eine kurze Begegnung beim Spazierengehen ist anders als dieses Erlebnis. Die Erfahrung im Schweiße des Angesichts über einem längeren Zeitraum ist etwas anderes. Auch durch den Nebel und den Regen dahinzugehen, ist etwas Besonderes, das man nur begreift, wenn man es selber erlebt hat.

 

Bei einer Bushaltestelle in Ebensee haben wir endlich ein Dach über den Kopf und Zeit, ein paar Müsliriegel zu essen. Dann noch schnell weiter zum Bahnhof. Die Fahrkarte aus dem Automaten ist noch druckfrisch als der Zug einfährt. In dem überfüllten Zug nach Linz finden wir zum Glück noch 2 Sitzplätze…

Das war Woche 2 der Fernwanderung quer durch Österreich. Im nächsten Jahr gibt es die nächste Folge dieser außergewöhnlichen Wanderung...

Fern Wandern Österreich
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