Kirchen in Griechenland

Man findet sie in Griechenland überall, die kleinen und großen Kirchen und Kapellen.
Alle sind einem Heiligen oder der Mutter Gottes geweiht.
Auf den Inseln sind sie meist klein und strahlend weiß, mit halbrunden Dächern in rot oder blau und immer sind sie von einem oder mehreren Kreuzen geziert..
Sie stehen an Straßenrändern, an karstigen Berghängen, auch auf den Spitzen der Berge oder auf Halbinseln am Meer.
Von weitem erwecken sie den Eindruck von Bausteinen aus einem Kinderbaukasten.
Einige sind so klein und der Eingang an der Stirnseite ist so niedrig, dass man sich beim Eintreten tief bücken muss.
Trockene Blumensträuße liegen neben der einzigen Ikone, oft nur ein Druck, ausgeschnitten aus einer illustrierten Zeitung.
Es duftet nicht nach Weihrauch wie in den großen Kirchen, aber immer brennt ein „ewiges Licht“. Daneben steht eine Wein – oder Ouzoflasche mit Olivenöl zum Nachfüllen.
Eine winzige Insel der Stille und Kühle in flimmernder Hitze.
Auf der Kykladeninsel Mykonos soll es insgesamt 365 Kirchen und Kapellen geben. Die meisten gestiftet von aus Seenot erretteten Fischern und Seeleuten.
Aber diese Geschichte mit der Zahl 365 wird auch auf anderen Inseln erzählt.
Um viele dieser Kirchen und Kapellen ranken sich Legenden, die oft Jahrhunderte alt sind.
Aber nicht nur auf den Inseln, auch auf dem Festland finden sich viele Gotteshäuser in den mannigfaltigsten Formen, je nach Region und Alter.
Einige sind noch aus byzantinischer Zeit, zum Teil 1000 Jahre und älter.
Verblasste Fresken schauen auf den Besucher herab, die starre Haltung der dargestellten Figuren, meist Christus, die Erzengel und Heilige aus der Liturgie der orthodoxen Kirche, lassen ein sonderbares Gefühl der Unsicherheit, aber auch der Ehrfurcht aufkommen.
Hier ist der Weihrauchduft sehr intensiv und auch hier brennt immer irgendwo eine Öllampe.
Kerzen sind angezündet und verbreiten ein gedämpftes Licht, auch wenn draußen die grelle Sonne scheint.
Für wenige Cent kann der Besucher eine der dünnen, meist hellbraunen Kerzen anzünden und eine kurze Zeit in der Stille verharren.
In berühmten Kirchen, vor allem in Klöstern, in den Reiseführern oft als „sehr sehenswert“ bezeichnet, sind diese Momente der Stille allerdings schon selten geworden.
Aber auch neue Kirchen gibt es, in einem fast identischen Einheitsstil aus Beton hochgezogen und innen und außen sehr bunt bemalt. Sie stehen in einem krassen Gegensatz zu den eher unscheinbaren, aus Natursteinen mit dazwischen liegenden Ziegelfriesen errichteten alten byzantinischen Kirchen.
Sie haben keinen Stern im Reiseführer und es ist wenig „künstlerisch wertvoll“ an und in ihnen, aber der Stolz spricht aus den Bewohnern der Orte, wenn sie den Freunden oder auch den Fremden ihre neue „ecclesia“ zeigen.
Hier ist noch echte Frömmigkeit zu spüren, vor allem bei den älteren Menschen.
Man kann zwar Kirchen nicht wie Inseln „sammeln“, aber jede ist einzigartig und spricht den Betrachter anders an, vor allem dann, wenn aus dem Betrachter ein Besucher geworden ist.

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Datum: Donnerstag, 5. November 2009 20:20
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