Hoch zum Herrmann – ein Besuch beim Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald

Bei der Beantwortung der Frage nach der wichtigsten historisch-kulturellen Einzel-Sehenswürdigkeit im Teutoburger Wald dürfte es kaum Dissenz geben: Diesen Status darf getrost das Hermannsdenkmal auf der Grotenburg (auch: Teutberg) im Kreis Detmold für sich beanspruchen. Mehrere Hunderttausend Besucher zählt man jährlich an der 1875 eingeweihten und 26,57 Meter hohen Hermannsfigur, die bekanntlich den Chruskerfürsten (oder passender: Häuptling) Arminius darstellt. In der von »nationaler Identitätssuche« geprägten wilhelminischen Zeit war die gigantische Herrmannsfigur, die ihren Schwert (allein er ist sieben Meter lang!) drohend gen Westen Richtung Frankreich erhebt, eines der populärsten Nationaldenmäler Deutschlands und ein aus allen Winkeln des jungen Reiches bereistes Touristenziel.

Später sah das Hermannsdenkmal auch schlechtere Zeiten: Natürlich haben die Nazis das Denkmal für propagandistsiche Zwecke genutzt – allerdings nicht so umfangreich, wie man vermuten könnte. Unmittelbar nach Kriegsende wurde Hermann von gelangweilten us-amerikanischen Bomberpiloten bombadiert, die in dem Nationaldenkmal ein Symbol des verhassten deutschen Militarismus sahen, aber vor allem ein wenig »Spaß« haben wollten. Eine spürbare Besucherflaute verzeichneten die Denkmalsverantwortlichen in den 70er Jahren. Der seinerzeitige politische Linkruck in der bundesdeutschen Bevölkerung brachte das Nationaldenkmal wg. seiner kriegerischen Botschaft ein wenig ins gesellschaftliche Abseits. Als sich Ende der 80er herauskristallisierte, dass die »Schlacht im Teutoburger Wald« – also die historische Varusschlacht des Jahres 9 – wahrscheinlich in Kalkriese, genauer: am Kalkrieser Berg im Osnabrücker Land stattfand, gab es dagegen keinen Einbruch der Besucherzahlen. Mit der deutschen Wiedervereinigung stiegen die Besucherzahlen sogar wieder. Seit Mitte der 90er Jahre sollen sie freilich zurückgehen (berichtet zumindest Wikipedia). Mit einem Besuchersegment durfte der Cherusterfürst allerdings immer fest rechnen: Für die Detmolder (und andere Bewohner Ostwestfalen-Lippes) blieb es zu allen Zeiten Teil ihrer lokalen Identität, gelegentlich »hoch zum Hermann« zu wandern.

Zum Abschluss dieser Einleitung noch ein (natürlich nicht ganz ernst gemeinter) Tipp: Auswärtige Besucher sollten – so kam es mir wenigstens vor Antritt meines diesjährigen Besuches in Teutoburger Wald zu Ohren – in Detmold den Namen »Kalkrise« tunlichst nicht laut in der Öffentlichkeit aussprechen. Manch Detmolder Lokalpatriot kann es wohl nur schwer verkraften, dass sich die frühere Sichtweise, der Teutoburger Wald nahe Detmold käme realistisch als Stätte der epochalen Varusschlacht infrage, inzwischen weitgehend erledigt hat und ausgerechnet das kleine Kalkriese (ein Stadtteil von Bramsche bei Osnabrück!) heute im öffentlichen Bewusstsein als der »wahre Ort der Varusschlacht« gilt.

Als sich die Varusschlacht 2009 zum zweitausendsten Male jährte, gingen die Veranstalter des länderübergreifenden Ausstellungsprojektes »Imperium Konflikt Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht« übrigens salomonisch vor. In Museum Park Kalkriese gab es einen Sonderausstellung mit dem Namen »Konflikt«, Besuchern einer Sonderausstellung im Lippischen Landesmuseum von Detmold wurde der »Mythos Arminius« nähergebracht.

Auf diesem Mythos gründet bis heute die Faszination des Hermannsdenkmals.

Teil zwei folgt in Kürze …

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Datum: Sonntag, 14. August 2011 9:05
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