Autorenarchiv

Mein Wochenende in Berlin

Donnerstag, 7. Februar 2013 16:47

Eigentlich sollte ich nur für ein Wochenende nach Berlin fahren, um an einer ausgedehnten Tagung
teil zu nehmen, doch unverhofft erlebte ich zwei unvergessliche Tage in der mondänen Großstadt.
Als wir am Freitagabend im Estrel-Hotel eincheckten wussten wir zwar noch nicht, wo wir uns
überhaupt befanden, aber kümmerten uns ob der anstehenden Referate auch nicht weiter darum – es
war nicht geplant, das Kongress-Center des Hotels zu verlassen. Glücklicherweise kam dann alles
anders, die Veranstalter saßen an irgendeinem Flughafen in Asien und damit war unser Programm
gelaufen. Zwei Tage Berlin, was für ein Ausblick!
Da es schon spät war, verließen wir das Hotel auf der Suche nach einem kleine gemütlichen
Restaurant oder ähnlichem – was wir auch umgehend einem Taxi-Fahrer erklärten. „Hier in
da Nähe, oder watt?“ Meine Kollegen und ich nickten und so wurden wir in ein kleines Dorf
inmitten der dicht bebauten Innenstadt gefahren: Rixdorf. Ich staunte nicht schlecht plötzlich
mitten auf einem Dorfplatz zu stehen und wie es sich gehört, gab es auch ein Restaurant am Platz,
namens „Villa Rixdorf“, in dem wir aus einem lustigen Angebot aus Berliner Küche und dem
Besten der Welt unser Abendessen wählten. Danach spazierten wir in die empfohlene Weserstraße
und ich weiß nicht mehr genau, wie viele Cafés, Bars oder Kneipen wir passierten, bis wir am Ende
in einer kleinen Hütte über einem Kanal gelegen einkehrten. Die „Ankerklause“ am Kottbusser
Damm kann ich seitdem nur wärmsten empfehlen – oder wie der Berliner sagen würde: da kannste
nich meckern! Gegen Mitternacht saßen wir bereits wieder im Taxi und fuhren zum Ostbahnhof,
den ich zwar nicht kannte, in dessen Umgebung aber unzählige Clubs auf uns warten sollten.
Kurze Zeit später saß ich im Frühstückssaal und überlegte noch etwas verschlafen, was ich
mir anschauen sollte: den Fernsehturm vielleicht. Gesagt, getan. Und ich gestehe gern: ein
beeindruckender Ausblick, aber nach einer Stunde war ich bereits wieder auf dem Alexanderplatz
und beschloss, einfach mal loszulaufen. Nach ein paar Minuten erreichte ich ein Viertel, in der
Nähe des Hackeschen Marktes, dessen enge, verwinkelte Straßen von unzähligen Galerien übersät
sind. Es sollte bis zum Abend dauern, als ich am Hauptbahnhof ankam. In der Zwischenzeit hatte
ich schöne und skurrile Kunst betrachtet, mit netten Galeristen und Besuchern gesprochen und
eine ganze Hand voller Flyer mit Vorschlägen für den kommenden Abend. Nach einer kurzen
Auffrischung im Hotel traf mich also mit zwei eben kennen gelernten Australiern und gemeinsam
fuhren wir zum sogenannten Mombijou-Park, in welchem in den Sommermonaten eine hölzerne
Theaterbühne zu Shakespeare und ähnlichen Klassikern einlädt. Ich war nahezu überwältigt von
der Stimmung, den Schauspieler und dem gesamten Ambiente. Direkt an der Spree, gegenüber
der Museumsinsel gelegen, ist es gar nicht mit einem normalen Theater zu vergleichen – schon
wieder konnte ich nich meckern! An der Theaterbühne befindet sich auch gleich ein Strandcafé
mit einer einladenden Tanzfläche, auf der wir uns noch als unbeholfene Tänzer versuchten, bevor
wir über die Museumsinsel zum Lustgarten schlenderten, eine wunderschöne Ecke für einen
nächtlichen Spaziergang und als ich im Morgengrauen, nachdem wir uns getrennt hatten, mit
dem Taxi zum Hotel fuhr, spürte ich erst meine unglaubliche Müdigkeit. Erschöpft – aber auch
zufrieden verbrachte ich die Heimreise im Zug größtenteils schlafend, wissend dass ich schon bald
wiederkommen werde.

Thema: Deutschland | Kommentare (0) | Autor: