Trier – Karl Marx und die Chinesen

Jeder fünfte Mensch ist Chinese. Hört man oft.

Doch was für Europäer lange nur eine globale Rechengröße ohne praktische Anschaulichkeit war, wird inzwischen in mancher Touristenmetropole unseres Kontinents sinnfällig. Mit wachsendem Wohlstand haben die Bewohner Chinas das Reisen für sich entdeckt. Und auch wenn der prozentuale Anteil jener Chinesen, die sich den Trip nach Europa leisten können, noch klein ist: in absoluten Zahlen sind es inzwischen viele, die den weiten Weg aus dem Reich der Mitte nach Paris, Berlin oder London antreten.

Ein sehr beliebtes Auslandsziel unter Chinesen ist auch Trier. Der Grund ist denkbar einfach: Die Stadt an der Mosel ist der Geburtsort von Karl Marx – jenem epochalen Denker, der in China bekanntlich einen besseren Ruf genießt als in seinem Heimatland. Das Karl-Marx-Haus in Trier – Marx‘ Geburtshaus, das inzwischen als Museum fungiert – zählt für Chinesen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Deutschland.

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Das Karl-Marx-Haus

Da 1,2 Millarden Menschen sicher nicht irren können, lohnt sich natürlich auch für Deutsche ein Blick in jenes Haus auf der Brückenstrasse 10, in dem Marx im Jahre 1818 das Licht der Welt erblickte. Der Besucher findet im Karl-Marx Haus Informationen über die Geschichte des Hauses selbst (Bilder und Dokumente) und natürlich viel Interessantes rund um Leben und Werk des Denkers. Auch sein Mitstreiter Friedrich Engels findet Berücksichtigung.
Darüber hinaus kann man Originaldokumente wie Briefe, Manuskripte, handschriftliche Gedichtbände, Erinnerungen und Werke der beiden Freunde betrachten. Zahlreiche Informationstafeln informieren darüber hinaus über die Geschichte von Arbeiterbewegung und Marxismus.
Das Haus selbst ist ein barockes Bürgerhaus mit Garten und Innengarten, das deutlich zeigt, das Marx‘ Familie der gehobenen Mittelklasse angehörte (Marx‘ Vater war Rechtsanwalt).

Auf chinesische Gäste eingestellt

Chinesen sollen etwa ein Drittel der jährlich 32 000 Besucher (2005) ausmachen. Die Museumsleitung trägt dem u. a. dadurch Rechnung, dass alle Hinweisschilder dreisprachig sind: Deutsch, Englisch und Chinesisch. Auch Infobroschüren auf Chinesisch liegen überall bereit. Was jedem westeuropäischen Besucher sofort auffällt: Die chinesischen Marx-Bewunderer entsprechen so gar nicht dem hiesigen Bild von Kommunisten, Sozialisten oder linken Gewerkschaftern. Kleidung, Kameraausrüstung und Auftreten deuten eher darauf hin, dass viele Besucher aus dem Reich der Mitte zur Oberklasse ihres Landes gehören dürften.

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Teile der Trierer Geschäftswelt haben sich übrigens ebenfalls auf die Gäste aus Fernost eingestellt. So gibt es in der Stadt auffällig viele China-Restaurants. Auf der Brückenstrasse begrüßt ein deutscher Supermarkt seine Kunden mit chinesischen Schriftzeichen. Und in ganz in der Nähe gibt es einen Souvenirladen für Chinesen, dessen Außenwände fast komplett chinesisch beschriftet sind.

Unterwegs auf Marx‘ Spuren

Auch über das Karl-Marx-Haus hinaus kann man in Trier auf den privaten Spuren des Denkers umherstreifen. Auf der Simeonstrasse 8 (in Nähe der Porta Nigra) lebte die Familie Marx seit 1819. Von hier aus trat der junge Karl seinen Schulgang an, der ihn durch die Trierer Innenstadt zum Friedrich-Wilhelm-Gymnasium führte. Die Schule zählt heute zu den ältesten Gymnasien Deutschlands. Unweit des Gymnasiums befindet sich die alte Jesuitenkirche, in der Karl konfirmiert wurde. Und wieder ganz in der Nähe (Neustr. 83) kann man das frühere Familien-Wohnhaus Jenny von Westphalens, Marx‘ späterer Frau, besichtigen.
Die Gräber von Marx‘ Goß- und Urgroßvater liegen auf dem (alten) jüdischen Friedhof.

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Bilder:
Eingang Karl-Marx-Haus
Chinesischer Souvenirladen
Marx-Büste im Garten des Karl-Marx-Hauses

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Datum: Dienstag, 21. August 2007 19:50
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