»Eine Viertelstunde brauche ich!«, dachte ich mir vor gut eineinhalb Stunden zu Beginn des Aufstiegs. Dabei sitze ich gerade erst fünf Minuten hier oben auf der Riesendüne. Zwei Schritt vor – einen Schritt zurück. Drei Schritt vor – einen zurück. Zwei Schritt vor ... – so ging das die ganze Zeit.
»Wer immer die Sage von Sisyphus geschrieben hat muss hohe Sanddünen erklommen haben!«, führe ich am Weg hinauf Selbstgespräche mit mir, »der griechische Erfinder des Mythos war sicher mal in Ägypten im Sandmeer der Sahara unterwegs!«
Einige Dünen und Stunden später würde ich ohne GPS schwer aus der Welt ohne Klang und perfekter Form zurückfinden. Da ich mich ungern alleine auf Hightec verlasse kontrolliere ich die Richtung meiner Auffanglinie – Dead Vlei und der Anmarschweg dorthin – alle Viertelstunden mit dem Kompass. Ich fühle mich wunderbar so munterseelen alleine in der Namib. Dabei bin ich gerade einmal fünfeinhalb Kilometer Luftlinie von der hohen Düne, die sich ums Dead Vlei schmiegt entfernt.
Ich trinke einen Schluck aus meinem zehn Liter fassenden Wassersack. Acht Liter habe ich heute frühmorgens eingefüllt – wird für einen Tag reichen. Ich versuche mir vorzustellen, wie ich jetzt mit meiner Vermummung wohl im Spiegel aussehe. Lange, braune Baumwollhose, langärmeliges, türkises Baumwollshirt mit Kapuze, die ich unter meiner naturweißen Legionärskappe übergezogen habe und feste sehr hohe Wüstenstiefel aus dunkelbraunem Rauhleder. Am Rücken befindet sich mein Kamerarucksack mit rund zwölf Kilogramm Ausrüstung. Vor der Brust baumelt mein inzwischen auf rund fünf Liter geschrumpfter Wassersack.
Interessant was hier in den Fokus der Gedanken gerät. Wie eine Schildkröte stampfe ich immer weiter durch die monochrome lautlose Landschaft. Dabei fühlte ich mich frei, so richtig frei – glücklich in mir alleine zu sein und doch magisch geborgen im Gesamten.
Irgendwann hat solch Taumwandern eine Ende – ich kehre am späten Nachmittag bezaubert in die reale Welt zurück.
[Rüdiger] |